Spiegelungen


In unseren beiden Frühjahrskonzerten stellen wir zwei selten gespielte Werke jüdischer Komponisten dem berühmten 1. Violinkonzert von Max Bruch gegenüber.

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte in Deutschland die Emanzipation der Juden und die Reform der Synagogen mit sich und schuf dadurch günstige Voraussetzungen für wechselseitige Beeinflussungen. In wachsender Anzahl konnten Juden das Bürgerrecht erwerben, und manche unter ihnen befürworteten in ihren Gebetshäusern eine Anpassung an die christliche Umwelt. Ferdinand Hiller und sein Schüler Max Bruch verkörpern beispielhaft diese neue Sachlage: der erste, ein Jude, liess sich im Erwachsenenalter taufen, der zweite, ein Protestant, schuf die Vertonung des "Kol Nidrei", eines traditionellen jüdischen Gebetes. 

In Wien dagegen vergegenwärtigt die beeindruckende Laufbahn von Ignaz Brüll, dem niemals der Gedanke an eine Konversion kam, ein ganz anderes Umfeld. 

Lässt sich aus der Musik dieser drei Komponisten, die für ihr Zeitalter bezeichnend sind, dieser geistesgeschichtliche Kontext heraushören? Unser Programm "Spiegelungen" möchte Sie dies entdecken lassen.

Daten und Orte

Samstag, 4. April 2020, 20.00 Uhr - Stadel, reformierte Kirche

Sonntag, 5. April 2020, 17.00 Uhr - Bülach, Im Guss (Konzertsaal der Musikschule Zürcher Unterland, Schaffhauserstr. 106)


Programm

Ignaz Brüll (1846-1907), Serenade Nr. 1 in F-Dur op. 29 (1877), 1. Satz
Max Bruch (1838-1920), Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll, op. 26 (1866)
Ferdinand Hiller (1811-1885), Ouvertüre zum Oratorium "Ein Traum in der Christnacht" (1845)
Solist: Ronny Spiegel, Violine